Fluggastrecht: Entschädigungen bei Flugverspätungen

In der Regel müssen Fluggesellschaften bei Annullierungen, Verspätungen ab drei Stunden oder Überbuchungen den Passagieren eine Entschädigung zahlen. Welche Rechte haben Fluggäste bei Ausfall oder Flugverspätungen? Wir klären euch auf!

Der lang ersehnte Jahresurlaub oder Städtetrip steht bevor. Die Vorfreude ist riesig, die Koffer sind gepackt und dann das! Der Flug fällt aus.

Flugzeug und Pass

Immer wieder kann es passieren, dass Flüge verspätet sind oder komplett gestrichen werden. In der Regel müssen Fluggesellschaften bei (kurzfristigen) Annullierungen, Verspätungen ab drei Stunden oder Überbuchungen den Passagieren eine Entschädigung zahlen. Der EU-Gesetzgeber sieht vor, dass die Luftfahrtgesellschaften laut Art. 5 Abs. 1 der Fluggastrechteverordnung zur Zahlung von Ausgleichsleistungen verpflichtet sind.

Ausnahmen sind “außergewöhnliche Umstände” - oder auch “höhere Gewalt”. Zu diesen Umständen zählen zum Beispiel die fehlende Starterlaubnis wegen Schlechtwetter am Zielflughafen, Terroranschläge, extremer Schnellfall und dadurch Ausgehen der Enteisungsflüssigkeit im Tankwagen oder ein medizinischer Notfall auf vorangegangenem Flug, wenn die Notsituation zum Zeitpunkt des Abflugs nicht vorhersehbar war.

Laut BGH zählen dazu auch Pilotenstreiks; Airlines sind demnach nicht zur Entschädigung verpflichtet. Dennoch sind Ausgleichszahlungen nicht ausgeschlossen. Mittlerweile gibt es sogar ein Portal, was sich genau um das Thema “Entschädigungszahlungen bei Flügen” kümmert: bei flightright.de können Fluggäste ihre Forderungen einklagen und Geld zurückbekommen.

Die Ausgleichszahlungen richten sich nach der Flugstrecke. Bei einer Strecke bis zu 1.500 km werden bis zu 250 Euro pro Person zurückgezahlt. Bis zu 3.500 km werden 400 Euro zurückerstattet und bei mehr als 3.500 km bis zu 600 Euro. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können die Reisenden vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen. Der Anspruch auf Ausgleichszahlung ist ein Baranspruch – man braucht sich also nicht mit einem Fluggutschein zufrieden zu geben.

Wenn Passagiere bei einer Verspätung Entschädigung fordern, kommt es häufig zu Problemen, da Fluggesellschaften selten freiwillig zahlen wollen. Häufig werden Schadensersatzforderungen mit dem Verweis auf "außergewöhnliche Umstände" abgelehnt, auch wenn die Fluggesellschaft eigentlich verantwortlich ist.

Entschädigungen gibt es nach europäischem Recht nur für Flüge, die in einem EU-Land starten. Wenn die Airline ihren Sitz in der Europäischen Union hat, gelten Ihre Rechte auch für Flüge, die in der EU landen. Hin- und Rückflug sowie jede Teilstrecke müssen gesondert betrachtet werden.

Die EU-Fluggastrechte-Verordnung gilt nicht nur für die großen Airlines - auch Billigflieger haften. Bei einer Nichtbeförderung haben Reisende einen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung, egal wie teuer oder billig der Flug war.

Wenn du deine Ansprüche gemäße Fluggast-Verordnung geltend machen möchtest, gibt es einige Regeln, die zu beachten sind. Setze dich zunächst schriftlich mit der Airline in Verbindung, fordere die Ausgleichszahlung und gib ein Zahlungsziel von circa drei Wochen an. Da die Beweislast beim Kunden liegt, sollte man sich Verspätungen schriftlich bestätigen lassen. Boardkarte, Bestätigungen über die Verspätung der Airline und Quittungen sollten dringend aufbewahrt werden. Wenn die Airline nicht reagiert, hilft nur noch ein gerichtlicher Schritt. Mit Hilfe eines Anwalts, der auf Reiserecht spezialisiert ist, können die Rechte auf jeden Fall durchsetzt werden. Auch mit einem Online-Dienstleister, der den ganzen Papierkram erledigt, hat man gute Chancen einen Teil des Geldes zurückerstattet zu bekommen. Die Verjährungsfrist zu Ansprüchen aus der EU-Verordnung beträgt drei Jahre.